Kiels Trainer Filip Jicha war mit dem Spiel seiner Mannschaft gegen die Füchse sichtlich unzufrieden. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andreas Gora/dpa)

Filip Jicha verschwand nach dem Debakel des THW Kiel bei den Füchsen Berlin mit fassungsloser Miene schnell in der Kabine. Den ausgelassenen Jubel des Hauptstadt-Clubs über den unerwartet klaren 34:26 (16:10)-Sieg im Topspiel der Handball-Bundesliga mochte der THW-Trainer nicht mit ansehen.

«Das war bitter. Ich muss leider zugeben, dass das eine verdiente Niederlage war. Berlin hatte viel mehr Energie und Intensität», sagte Jicha. «Das war eine Lehrstunde für meine Mannschaft.»

Kiels Szilagyi: «Müssen uns jetzt schütteln»

Während die Berliner als Tabellenzweiter mit 13:1 Punkten wie Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen (14:0) ungeschlagen bleiben, kassierte der Rekordmeister aus Kiel (12:2) am Sonntag einen ersten empfindlichen Dämpfer im Titelkampf. «Wir müssen uns jetzt schütteln», bekannte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi.

«Zu solch einem Spiel gehören Emotionen. Wenn wir die nicht zeigen, können wir Topspiele nicht gewinnen», übte THW-Kreisläufer Patrick Wiencek am Sky-Mikrofon Kritik am schwachen Auftritt des Titelfavoriten und forderte: «Jeder muss an sich arbeiten und die Fehler abstellen.»

Ganz anders war die Stimmungslage bei den Berlinern, die von den 9000 Fans in der Max-Schmeling-Halle gefeiert wurden. Schon vor dem Abpfiff schallte der Oldie «Oh, wie ist das schön» von den Rängen. «Für uns ist das eine schöne Momentaufnahme. Wir genießen das, aber die Saison ist noch lang», sagte Füchse-Trainer Jaron Siewert nach der Handball-Gala seines Teams.

Auch der erneut überzeugende Neuzugang Mathias Gidsel war begeistert. «Das war eine starke Vorstellung vor einer tollen Kulisse. Für uns war es sehr wichtig zu zeigen, dass wir dieses Jahr um die Meisterschaft kämpfen können», sagte der Rückraumspieler.

Bei der von Geschäftsführer Bob Hanning ausgerufenen Reifeprüfung legte der Hauptstadt-Club einen Blitzstart hin. Nach 13 Minuten lagen die Berliner beim 7:2 bereits mit fünf Toren vorn und behaupteten fortan das komfortable Polster.

Wiencek: «Berlin war in allen Belangen besser»

Die Abwehr stand kompakt und ließ die Kieler kaum ins Angriffsspiel kommen. Und wenn doch, war Füchse-Torwart Dejan Milosavljev ein starker Rückhalt. Vorne sorgten vor allem Mijajlo Marsenic (9 Tore) und Gidsel (6) für Offensivpower. «Er ist trotz seines jungen Alters ein unglaublich kompletter Spieler», lobte Bundestrainer Alfred Gislason schon in der Halbzeitpause den 23-jährigen Dänen.

Nach dem Wechsel wuchs der Vorsprung der Berliner beim 21:13 erstmals auf acht Tore an. Kurz darauf versuchte es THW-Trainer Jicha mit einem Torhüterwechsel. Für Dänemarks Weltmeister Niklas Landin, der insgesamt nur fünf Würfe parierte, kam Tomas Mrkva. Die erhoffte Stabilität in der Defensive brachte das aber nicht.

Die Füchse zeigten keine Schwäche und brachten den Sieg sicher nach Hause. «Berlin war in allen Belangen besser und hat verdient gewonnen», resümierte Wiencek. Im Kampf um die Meisterschaft hat der Ex-Nationalspieler den Rivalen auch künftig auf der Rechnung: «Sie haben sich gut verstärkt und machen das derzeit ziemlich gut.»

Während Meister Magdeburg sein Spiel gegen die MT Melsungen mit 27:23 (15:12) gewann, kassierte die SG Flensburg-Handewitt beim TBV Lemgo Lippe eine überraschende 21:26 (7:11)-Niederlage. Der Rückstand auf die Tabellenspitze beträgt für die Norddeutschen nun schon fünf Punkte. Weiter stark unterwegs ist Aufsteiger VfL Gummersbach, der ein 36:36 (21:19) gegen den SC DHfK Leipzig erreichte.

Eric Dobias und Nicolas Sowa, dpa

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