Die Dänen um Mathias Gidsel wollen den EM-Titel. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Claus Bergmann/dpa)

Dänemarks Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen war vor dem Kracher im EM-Halbfinale gegen Deutschlands Handballer die Ruhe selbst. «Wir wissen, dass es schwer wird. Wir wissen aber auch, wenn wir gut spielen, wird es für Deutschland schwer, uns zu schlagen. Das ist unser Motto», sagte Jacobsen vor dem Duell des dreimaligen Weltmeisters mit dem EM-Gastgeber an diesem Freitag (20.30 Uhr/ZDF und Dyn) in Köln.

Auch die Kulisse von knapp 20 000 Fans schreckt die Dänen nicht. Im Gegenteil. «Es wird eine unglaubliche Atmosphäre und ein wahnsinniger Spaß», sagte Rückraumspieler Henrik Møllgaard. «Ich freue mich auf ein fettes Wochenende.»

Nach zuletzt drei WM-Titeln in Serie, Platz zwei bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio und Rang drei bei der EM 2022 gehen die Dänen mit breiter Brust in die Medaillenrunde. Beim Griff nach dem ersten EM-Gold seit zwölf Jahren bauen sie auf verschiedene Faktoren.

Die Stärken:

Dänemark ist in allen Mannschaftsteilen mit Weltklassespielern besetzt. Im Tor geben Niklas Landin, der viele Jahre beim deutschen Rekordmeister THW Kiel zwischen den Pfosten stand, und Emil Nielsen vom FC Barcelona den nötigen Rückhalt. «Das ist das beste Torwart-Duo der Welt», schwärmte Deutschlands Ausnahmekeeper Andreas Wolff.

Im Rückraum sorgen die Bundesliga-Legionäre Mathias Gidsel (Füchse Berlin) und Simon Pytlick (SG Flensburg-Handewitt) für permanenten Druck und Torgefahr. Für Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning ist Gidsel der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Dänen und momentan «vielleicht der beste Handballer der Welt». 

Gidsel, der bei der WM im Vorjahr zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt wurde, sieht sich selbst auf einem Top-Level. «Ich habe das Gefühl, dass ich derzeit den Handball meines Lebens spiele», sagte er vor der Endrunde. Mit bisher 42 Toren hat er das eindrucksvoll bestätigt. Am Kreis brilliert mit Magnus Saugstrup vom Champions-League-Sieger SC Magdeburg ein weiterer Bundesligaprofi.

Die Erfahrung:

Neben diesen Jungstars prägen einige Oldies das Gesicht der Mannschaft. Da ist Superstar Mikkel Hansen, der dreimal Welt-Handballer war und auch mit 36 Jahren noch umsichtig Regie führt. Oder Bundesliga-Rekordschütze Hans Lindberg. Der 42 Jahre alte Rechtsaußen von den Füchsen Berlin zeichnet sich vor allem als nervenstarker Siebenmeterschütze aus. Nicht zu vergessen Rasmus Lauge (32), der die Dänen im Vorjahr mit zehn Toren im Finale gegen Frankreich zum WM-Titel führte.

Der Trainer:

Umsichtig geführt wird dieser Mix aus Jung- und Altstars von Jacobsen. «Er macht einen fantastischen Job als Nationaltrainer», lobte Bundestrainer Alfred Gislason seinen Kollegen. Jacobsen, der als Spieler beim THW Kiel und Trainer bei den Rhein-Neckar Löwen viele Jahre in der Bundesliga tätig war, gilt abseits des Parketts als sympathischer und umgänglicher Mensch.

Während des Spiels kann der 52-Jährige aber leicht zum Vulkan werden. Denn Jacobsen ist besessen vom Erfolg. Dafür gibt er alles – und erwartet das auch von seinen Spielern. «Für mich ist es bedeutend, Turniere zu gewinnen», sagte Jacobsen. Der nächste Schritt zu diesem Ziel soll gegen Deutschland gemacht werden.

Von Eric Dobias und Steffen Trumpf, dpa

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