Können Kiels Spieler nach dem letzten Spieltag erneut die Meisterschaft bejubeln? (Urheber/Quelle/Verbreiter: Axel Heimken/dpa)

Erleichtert und glücklich reisen Liga-Präsident Uwe Schwenker und Geschäftsführer Frank Bohmann mit der Meisterschale im Gepäck zum spannenden Saisonfinale der Handball-Bundesliga nach Mannheim.

Dort will Tabellenführer THW Kiel am Sonntag mit einem Sieg bei den Rhein-Neckar Löwen das Fernduell mit Verfolger SG Flensburg-Handewitt für sich entscheiden und den 22. Meistertitel perfekt machen.

«Wir wissen, um was es geht, und haben es selbst in der Hand. Wenn wir gewinnen, können wir unser großes Ziel erreichen», sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi dem NDR nach dem lockeren 33:23-Sieg gegen den TBV Lemgo Lippe am Donnerstagabend. «Ich bin guter Dinge und optimistisch, dass wir unsere Qualität zeigen können, alles das, was uns diese Saison ausgemacht und nach 37 Spieltagen dorthin gebracht hat. Jetzt wollen wir die Chance auch nutzen. Hoffentlich haben wir etwas zu feiern am Sonntag.»

Der Handball selbst als Gewinner

Egal, wer das Rennen am Ende macht, der große Gewinner dieser denkwürdigen Corona-Saison steht schon vorher fest. Es ist der Handball selbst. «Wir haben ein Herzschlagfinale mit viel Drama, was für uns gut ist, denn das macht den Handball interessant», sagte HBL-Geschäftsführer Bohmann der Deutschen Presse-Agentur. «Bei allem Respekt vor der sportlichen Leistung ist aber fast noch wichtiger, dass wir wirtschaftlich und organisatorisch durch diese Saison gekommen sind. Es gab keine Insolvenzen, das ist sensationell. Von daher sind wir sehr zufrieden.»

Ein Saisonabbruch wie im Vorjahr hätte die Branche in extreme Schieflage bringen können. Noch im März, als es viele Infektionen bei Spielern gab und etliche Teams in Quarantäne mussten, drohte dieses Schreckensszenario. «Da musste man fast damit rechnen, dass wir die Saison nicht zu Ende gespielt kriegen», sagte Bohmann im Rückblick.

Wegen der Auswirkungen der Pandemie mussten in dieser Spielzeit, die ausnahmsweise mit 20 statt 18 Mannschaften gespielt wurde, mehr als 40 Begegnungen verlegt werden. Allen Problemen zum Trotz fällt die Titelentscheidung auf dem Parkett – und nicht wie im Vorjahr am grünen Tisch.

Kiel einen Punkt vor

Der Titelverteidiger aus Kiel geht mit einem Punkt Vorsprung vor dem Vizemeister aus Flensburg in den 38. und letzten Spieltag. Doch die Aufgabe bei den Rhein-Neckar Löwen ist – zumindest auf dem Papier – deutlich schwerer als die des Rivalen im Heimspiel gegen HBW Balingen-Weilstetten. «Wir haben sehr viel Erfahrung in der Mannschaft und keine Angst vor dieser Situation», sagte Szilagyi vor dem Topspiel in Mannheim. «Wir haben in dieser Saison schon so viel erlebt, deshalb sind wir gut vorbereitet.» Auch Trainer Filip Jicha ist zuversichtlich: «Wir freuen uns auf das Saisonfinale am Sonntag.»

Angesichts der zuletzt überzeugenden Kieler Auftritte sind die Meister-Hoffnungen in Flensburg nur gering. Dennoch will die SG noch einmal die letzten Kräfte mobilisieren. «Es steckt viel Charakter in der Mannschaft», stellte Trainer Maik Machulla seinen Schützlingen ein gutes Zeugnis aus. Zur Sicherheit schickt die HBL eine Kopie der Meisterschale in die Flens-Arena.

Schon vor dem Showdown adelte Bohmann das Top-Duo, das in seiner eigenen Liga spielte. «Beide Mannschaft waren in dieser Saison eine Klasse für sich und lagen deutlich vor den Mitbewerbern. Das war schon eine außergewöhnliche Leistung», lobte der HBL-Geschäftsführer. Einen Meistertipp wagte er nicht: «Derjenige, der am Ende vorne ist, hat die Meisterschaft verdient.»

Von Eric Dobias, dpa

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