Bundestrainer Alfred Gislason nominierte vorerst 19 Spieler für die EM. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sascha Klahn/dpa)

Bühne frei für die jungen Wilden. Bundestrainer Alfred Gislason hat nach mehreren Rücktritten und Absagen aus der Not eine Tugend gemacht und gleich neun Turnier-Neulinge in den 19-köpfigen Kader für die Handball-EM 2022 berufen.

Mit Torwart Andreas Wolff, den Rückraumspielern Julius Kühn, Kai Häfner und Simon Ernst sowie Kreisläufer Jannik Kohlbacher stehen nur noch fünf Europameister von 2016 im Aufgebot für die Endrunde vom 13. bis 30. Januar in Ungarn und der Slowakei.

«Wir haben eine unerfahrene Mannschaft und brauchen Zeit, aber ich bin mir sicher, dass wir von der ersten Sekunde an mit großem Kämpferherz auf der Platte stehen werden», sagte Gislason. «Diese 19 Spieler sind bereit und haben allesamt Format. Jeder kann sich jetzt zeigen und in den Vordergrund spielen.»

Vertraute Namen fehlen

Das gilt insbesondere für die Akteure, die bisher noch kein großes Turnier bestritten haben. Die Torhüter Joel Birlehm und Till Klimpke, die Rückraumspieler Sebastian Heymann, Julian Köster, Luca Witzke, Djibril M’Bengue und Christoph Steinert sowie die Außen Lukas Mertens und Lukas Zerbe sind auf der großen Handball-Bühne noch relativ unbekannt. Angeführt wird das Aufgebot von Kapitän Johannes Golla vom Vizemeister SG Flensburg-Handewitt. Erfahrenster Akteur im Kader ist Patrick Wiencek. Der 32 Jahre alte Kreisläufer vom Rekordmeister THW Kiel absolvierte bisher 150 Länderspiele.

Dagegen fehlen vertraute Namen wie Fabian Wiede, Paul Drux, Juri Knorr, Patrick Groetzki, Hendrik Pekeler – die aus unterschiedlichen Gründen abgesagt haben – oder Steffen Weinhold, Johannes Bitter und Uwe Gensheimer, die ihre Karriere in der Nationalmannschaft nach Olympia beendet hatten. «Natürlich bin ich von den Absagen nicht begeistert», räumte Gislason ein.

Der Verband sieht dies mittlerweile als generelles Problem. «Wir ärgern uns schon darüber, dass einige Nationalspieler ihre Karriere aus unterschiedlichsten Gründen nicht so konstant im Nationalteam sehen wie das in anderen Nationen der Fall ist. Zum einen werden Turniere nicht besucht, zum anderen Auswahlkarrieren frühzeitig beendet, obwohl die Leistungs-Peaks im Verein häufig noch kommen. Das ist eine Sache, die uns nicht gefällt», sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer.

Optimismus beim DHB

Dennoch sieht er der Endrunde zuversichtlich entgegen. «Die Mischung in unserer Nationalmannschaft besteht aus jungen und erfahrenen, zum Teil international noch unbekannten, aber durchweg gnadenlos motivierten Spielern. Wir haben ein spannendes Team, das unbekümmert auftreten kann und den Handball-Fans viel Freude bereiten wird», sagte Kromer. Es bestehe eine große Euphorie im Team: «Alle haben sich tierisch gefreut, die EM spielen zu können.»

Los geht es am Neujahrstag, wenn sich der DHB-Tross zum Lehrgang in Großwallstadt trifft. Den Abschluss der EM-Vorbereitung bilden zwei Länderspiele gegen Serbien am 7. Januar in Mannheim und 9. Januar in Wetzlar. «Unser Plan steht, die gemeinsame Arbeit in der Trainingshalle beginnt im neuen Jahr», sagte Gislason. «Wir werden uns gezielt auf unsere EM-Gegner vorbereiten.»

Drei Tage nach dem letzten EM-Test reist die DHB-Auswahl nach Bratislava, wo es in der Vorrunde gegen Belarus, Österreich und Polen geht. «Wir wissen, dass wir alles andere als ein Favorit sind. Wir müssen die fehlende Erfahrung mit Begeisterung und mannschaftlicher Geschlossenheit ausgleichen», formulierte Gislason den EM-Auftrag.

Von Eric Dobias, dpa

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