Berlins Fabian Wiede (vorn) und Kiels Patrick Wiencek kämpfen um den Ball. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Christophe Gateau/dpa)

Auch ohne den erkrankten Superstar Sander Sagosen hat Rekordmeister THW Kiel im Fernduell mit der SG Flensburg-Handewitt keine Nerven gezeigt und die Tabellenführung in der Handball-Bundesliga zurückerobert.

Mit einem schwer erkämpften 28:26 (15:17) bei den Füchsen Berlin schob sich der Titelverteidiger mit 49:5 Zählern dank der besseren Tordifferenz wieder am punktgleichen Nordrivalen vorbei. Flensburg hatte am Samstag beim 32:24 (13:13) gegen die HSG Wetzlar vorgelegt. Die beiden deutschen Topteams gehen nun mit viel Selbstvertrauen in das anstehende Viertelfinale in der Champions League.

«Es war ein geiles Handballspiel mit einer unheimlichen Intensität», sagte THW-Trainer Filip Jicha nach dem siegreichen Kraftakt in Berlin. «Ich habe den Jungs von Herzen gratuliert, denn wir haben diese zwei Punkte gegen einen unglaublich starken Gegner gebraucht. Ich bin stolz, dass ich dieses Spiel miterleben durfte.»

Neben Topwerfer Harald Reinkind (9 Tore) war Dänemarks Weltmeister-Torwart Niklas Landin in einer umkämpften Partie der große THW-Trumpf. «Landin hat den Unterschied gemacht», sagte Füchse-Sportvorstand Stefan Kretzschmar bei Sky. «Er war da, als Kiel ihn brauchte.» Ähnlich sah es Jicha: «Niklas war richtig stark und hat wichtige Akzente gesetzt.» Ein Extra-Lob gab es vom THW-Coach für Rückraumspieler Reinkind. «Er hat eine Weltklasseleistung gezeigt.»

Erst nach erheblichen Anlaufschwierigkeiten hatte der Nordrivale aus Flensburg am Samstagabend seine Heimaufgabe gegen Wetzlar gelöst. Bis drei Stunden vor dem Anpfiff stand die Austragung der Partie auf der Kippe, nachdem es am Freitag bei einem Flensburger Spieler und einer Person aus dem näheren Vereinsumfeld positive Coronatests gegeben hatte. Da beide Personen am Samstag jeweils negativ getestet wurden, gab das zuständige Gesundheitsamt kurzfristig doch noch grünes Licht.

«Es ist nicht einfach, die Spannung hochzuhalten, wenn man nicht weiß, ob gespielt wird oder nicht. Das ist menschlich», sagte Trainer Maik Machulla über die schwache Vorstellung in der ersten Halbzeit. Erst nach einer deutlichen Pausenansprache des 44-Jährigen fanden seine Schützlinge in die Erfolgsspur.

«Wir haben sportlich die höchsten Ziele und wollen weiter oben dabei bleiben. Deshalb müssen wir es schaffen, unsere Leistung zu bringen, auch wenn die Situation nicht optimal ist. Daran habe ich sie in der Kabine erinnert», berichtete Machulla und fügte hinzu: «Es war ein ganz, ganz hartes Stück Arbeit. Der Sieg macht mich daher sehr froh.» Den Verlust der Spitzenposition konnte er daher verschmerzen. «Ich gucke mir die Tabelle nicht an, weil sie zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussagekraft hat», sagte Machulla. «Es ist eine besondere Saison, in der alles passieren kann.»

Von Eric Dobias, dpa

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