WM-Gastgeber Ägypten trifft im WM-Viertelfinale auf Titelverteidiger Dänemark. (Urheber/Quelle/Verbreiter: -/Egypt 2021 Men's Handball World Championship/dpa)

In ihrem Teamhotel mitten in Kairo dürfen sich Ägyptens Handballer für kurze Momente wie Helden fühlen.

Streng abgeschottet von der Außenwelt und ihren Fans bekommen immerhin einige Hotelangestellte ein Selfie mit den Spielern, die bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land bislang für Begeisterung sorgen. Wenn sie durch den Hotelgarten spazieren, werden sie begrüßt und beklatscht, im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Dänemark am Mittwoch (17.30 Uhr) müssen sie dann erneut auf die Unterstützung ihrer Fans verzichten. Aber zumindest vor dem Fernseher dürften Millionen Ägypter ihrem Team erneut die Daumen drücken.

Schon jetzt darf sich der Ausrichter der ersten XXL-Endrunde mit 32 Teams als Gewinner fühlen – und das gleich doppelt. Neben dem sportlichen Erfolg mit dem Einzug unter die besten acht Mannschaften gibt es nach anfänglichen Irritationen von vielen Seiten mittlerweile Lob für die Organisation der viel kritisierten Corona-WM.

«Ich habe immer gesagt: Wenn etwas kommt, dann von draußen und nicht von drinnen. Dieses Turnier war zu hundert Prozent sicher», sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning vor dem Heimflug der früh gescheiterten deutschen Mannschaft. «Die WM hat perfekt funktioniert und sich bewährt. In einem Land wie Ägypten vermutlich sogar besser als in einem Land wie Deutschland. Die Endrunde ist eine Blaupause für große Turniere.»

Obwohl die Endrunde nach Protesten aus dem Spielerkreis ohne Zuschauer in den Hallen ausgetragen werden muss, ist das Interesse in Ägypten anscheinend groß. «Die Leute verfolgen nicht nur die Spiele der ägyptischen Nationalmannschaft, sondern auch die Spiele anderer Teams», berichtete Hussien Zakzouk, Chef der WM-Marketingkommission.

Es sind wichtige Bilder und Stimmen für Ägypten, das für die Lage der Menschenrechte immer wieder scharf kritisiert wird. Tausende sitzen Amnesty International zufolge aus politischen Gründen in Haft unter oft menschenunwürdigen Bedingungen. Kritische Stimmen verfolgt die Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi mit äußerster Härte. Demonstrationen sind faktisch verboten, Medien werden stark zensiert. Auch wegen Kritik am Umgang mit der Corona-Pandemie kann Al-Sisi gute Nachrichten von einem erfolgreichen Sportturnier jetzt gebrauchen.

Es dürfte ihm daher nicht ungelegen kommen, dass die ägyptische Mannschaft nun sogar um den Einzug ins Halbfinale spielt. «Es in diese Phase zu schaffen, ist großartig für uns. Was soll ich sagen? Ich bin glücklich und stolz auf meine Spieler», sagte Ägyptens Trainer Roberto Parrondo nach dem 25:25 im entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Slowenien.

Während der EM-Vierte des Vorjahres die Heimreise antreten musste, dürfen die Ägypter weiter von einer Medaille träumen. Die blieb ihnen bisher stets verwehrt. Rang vier bei der WM 2001 ist das beste Ergebnis. «Wir haben ein extrem gutes Leistungsniveau erreicht und gehören jetzt zu den besten acht Mannschaften der Welt», sagte Parrondo, der sich auf das Duell mit den favorisierten Dänen freut: «Wir werden den Gegner studieren und mit der Hoffnung auf einen Sieg in das Spiel gehen.»

Von Nils Bastek und Eric Dobias, dpa

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