Trainer Bennet Wiegert möchte mit dem SC Magdeburg die Champions League gewinnen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa)

Die Erinnerungen an den Triumph in der Handball-Königsklasse 2002 sind bei Bennet Wiegert längst verblasst. Dabei war der Trainer des SC Magdeburg damals als Jungprofi mittendrin im Trubel.

«Ich war zu jung und habe das damals zu wenig wahrgenommen und wertgeschätzt. Man ist da sehr naiv als junger Spieler. Ich habe gedacht: Okay, wir haben die Champions League gewonnen, mal sehen, wie viele Titel da noch kommen. Aber so war es natürlich nicht», sagte Wiegert am Freitag. 

21 Jahre nach dem Triumph bietet sich dem deutschen Meister von 2022 an diesem Wochenende beim Final4-Turnier in Köln erstmals wieder die Chance auf den Gewinn der wichtigsten Vereinstrophäe. «Wenn der Postbote einem viel Glück wünscht, weiß man, dass etwas Besonderes ansteht. Da bekomme ich Gänsehaut», sagte Wiegert.

Traum einer Stadt

In Magdeburg sei die Sehnsucht nach dem Titel groß. «Nach der Meisterschaft jetzt auch wieder die Champions League zu gewinnen, dieser Traum ist in der Stadt allgegenwärtig», berichtete Wiegert vor dem Halbfinale gegen Titelverteidiger FC Barcelona am Samstag (15.15 Uhr/DAZN). Um das zweite Ticket für das Endspiel am Sonntag kämpfen anschließend Paris Saint-Germain und Industria Kielce mit dem deutschen Nationaltorwart Andreas Wolff. 

Beim Comeback in der Königsklasse überzeugte der SC Magdeburg in der Gruppenphase, die er als Zweiter hinter Paris Saint-Germain abschloss und sich somit direkt für das Viertelfinale qualifizierte. Dort setzte sich der Vizemeister der gerade beendeten Bundesligasaison gegen Wisla Plock aus Polen durch. 

Doch nun kommt Barcelona. Für die Katalanen ist es bereits die elfte Teilnahme beim 2010 eingeführten Final4-Turnier in der Domstadt, wo sie vier ihrer insgesamt elf Triumphe in der Champions League beziehungsweise im Vorgängerwettbewerb, dem Europacup der Landesmeister, feierten. Im Vorjahr gelang dem spanischen Serienmeister als erster Mannschaft überhaupt die Titelverteidigung, nachdem das Finale 2020 gegen den THW Kiel verloren worden war.

Kristjansson zurück

«Die Serie sagt alles, wie dominant Barcelona in den vergangenen zwei Jahren war, aber wir haben eine Chance», sagte Magdeburgs Rückraumstar Gisli Kristjansson. Der Isländer kehrte in der Saison-Schlussphase nur vier Wochen nach einem Knöchelbruch rechtzeitig auf das Parkett zurück und gehört zu den großen Hoffnungsträgern im Duell mit dem Rekordsieger. «Wir haben gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Vielleicht hilft uns das», unkte der 23-Jährige.

Bei der Vereinsweltmeisterschaft 2021 und 2022 setzten sich die Magdeburger jeweils im Endspiel gegen Barcelona durch. «Zu wissen, dass wir sie schlagen können, ist vielleicht noch ein zusätzliches Pfund, das wir im Rucksack haben», sagte Wiegert. 

Große Erwartungen wollte der 41-Jährige aber nicht wecken. «Das ist die Vorstufe zur Enttäuschung», begründete er seine Zurückhaltung. Doch wer Wiegert kennt, der weiß, dass er den Pott nur zu gern in seine Heimatstadt holen würde.

«Bei diesem Turnier hat meistens nicht der Favorit gewonnen. Vielleicht ist das die Nische, auf die wir uns freuen», sagte er grinsend. Schließlich würde der Sport «immer wieder eigene Geschichten» schreiben, so Wiegert. «Dafür brauchen wir aber eine Bestleistung und vielleicht auch eine nicht so gute Tagesform von Barcelona.»

Wiederholt sich Geschichte?

In Magdeburg dreht sich seit Tagen vieles um das Event, bei dem der European-League-Gewinner von 2021 erstmals dabei ist. «Man hat die positive Stimmung in der Stadt gespürt», berichtete Nationalspieler Lukas Mertens. Nicht nur der Linksaußen hofft darauf, dass sich Geschichte wiederholt und der Traditionsverein wie zu Beginn des Jahrtausends ein Jahr nach der Meisterschaft auch die Champions League gewinnt.  

Einer, der dabei entscheidend mitwirken könnte, ist Rückraumspieler Kay Smits. Für den Niederländer sind es die letzten zwei Spiele für den SCM vor seinem Wechsel zur SG Flensburg-Handewitt. «Der Titel zum Abschied wäre natürlich schön», sagte Smits und ergänzte: «Jeder hat lange auf dieses Wochenende gewartet. Wir haben ganz viel Bock darauf.» 

Allen voran natürlich Wiegert, der allein schon die Teilnahme am Finalturnier als nächsten Meilenstein für den Verein ansieht. «Wir haben uns in den vergangenen fünf Jahren eine unglaubliche Konstanz erarbeitet. Darauf bin ich stolz», sagte der Trainer und fügte hinzu: «Der Titel wäre natürlich die Krönung unserer Entwicklung.»

Von Eric Dobias, dpa

Von