Deutschlands U21-Handballer feiern den WM-Sieg in Berlin. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sascha Klahn/dpa)

Deutschlands U21-Handballer um Torwart-Riese David Späth ließen es nach dem WM-Triumph richtig krachen – und einige Top-Talente träumten mit der Goldmedaille um den Hals vielleicht auch schon von einem Auftritt im A-Team bei der Heim-EM 2024.

Mit dem dritten Titelgewinn nach 2009 und 2011 bescherten die Junioren dem Deutschen Handballbund einen Traumstart ins «Jahrzehnt des Handballs» und empfahlen sich vor den Augen von Bundestrainer Alfred Gislason zugleich für höhere Aufgaben in der Zukunft.

Lob von Gislason

«Ich bin sehr stolz auf dieses Team. Das war beeindruckend und eine super Mannschaftsleistung», lobte Gislason den DHB-Nachwuchs nach dem souveränen 30:23-Endspielsieg gegen Ungarn in Berlin. 

Es war der krönende Abschluss einer außergewöhnlichen WM-Reise, auf der die Mannschaft nach Ansicht von U21-Bundestrainer Martin Heuberger «eine Euphorie entfacht und vielleicht neue Handballfans gewonnen» hat. Das Finale in der ausverkauften Berliner Max-Schmeling-Halle verfolgten während der reinen Spielzeit bei Eurosport 1,03 Millionen, was einem für den TV-Spartensender ungewöhnlich hohen Marktanteil von 6,6 Prozent entsprach. «Wir hatten uns erträumt und erhofft, dass wir so viel Unterstützung bekommen, aber das war unglaublich», lobte der 59-Jährige die Fans.

Stimmungshoch vor EM

Vor der Europameisterschaft befindet sich der deutsche Handball plötzlich im Stimmungshoch, zu dem auch der Champions-League-Triumph des SC Magdeburg Mitte Juni beigetragen hat. «Es ist gut, dass diese Euphorie entfacht wurde. Ich hoffe, dass die bis Januar hält und die A-Mannschaft ebenfalls diese Unterstützung erhält. Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft beflügelt wird und ähnliche Erfolge einheimsen kann», sagte Heuberger.

Der ehemalige DHB-Vizepräsident Bob Hanning forderte nach dem Gold-Coup umgehend einen Neustart in der Nationalmannschaft, die im Frühjahr durch deftige Pleiten gegen Weltmeister Dänemark und Europameister Schweden einigen Kredit verspielt hatte. «Warum sollten wir weiter auf das Alte setzen? Wir müssen jetzt das neue Zeitalter einläuten», sagte der Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin beim TV-Sender Eurosport mit Blick auf die Heim-EM.

Seiner Ansicht nach sollten einige Aktivposten aus dem Junioren-Team für die EM-Endrunde vom 10. bis 28. Januar kommenden Jahres berücksichtigt werden. «Über Torwart David Späth muss man nicht einmal im Ansatz diskutieren. Ein Mann wie Justus Fischer funktioniert vorn und hinten. Renars Uscins hat eine super WM gespielt, Nils Lichtlein ebenfalls», nannte der 55-Jährige einige Kandidaten für einen schnellen Aufstieg in die Nationalmannschaft.

Kromer zurückhaltend

Ob es wirklich dazu kommt, bleibt abzuwarten. DHB-Sportvorstand Axel Kromer äußerte sich zurückhaltend über die EM-Chancen der Junioren-Weltmeister. «Jeder U21-Spieler ist in der Lage, sich in den nächsten Monaten so zu entwickeln, um in den Block des Bundestrainers zu kommen. Aber das ist nicht das Einfachste der Welt, denn wir haben nur wenige Trainingstage mit der Nationalmannschaft bis zur EM 2024», sagte Kromer. 

Generell sei es ein schwieriger Zeitpunkt für die Talente. «Im nächsten Jahr stehen eine Heim-EM, die Olympia-Qualifikation, hoffentlich Olympia und dann auch schon die nächste WM an – vier Turniere in 13 Monaten, das ist nicht der einfachste Zeitraum für junge Spieler, um in die A-Nationalmannschaft zu kommen», sagte Kromer. 

Zumal das A-Team nicht überaltert sei, sondern aus seiner Sicht bis 2028 zusammenspielen könnte. «Daher müssen sich die Jungs mit der Konkurrenz messen und sich gegen die Erfahrenen durchsetzen. Das ist eine große Aufgabe», sagte Kromer und legte sich fest: «Bis zur EM 2024 wird es sicher keinen kompletten Kaderwechsel geben. Wir müssen schauen, dass wir bei Heim-EM die maximale Chance auf Erfolg haben. Das erwarten die Fans von uns.» Das eine oder andere Talent dürfte dem A-Team jedoch guttun.

Von Eric Dobias, dpa

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